24.05.2011 von Jan Elsner
Vorgestellt: Die Anti-Schlingerkupplung
Die Anhängerkupplung ist die einzige Verbindung zwischen Zugfahrzeug und Anhänger. Normale Standard-Anhängerkupplungen sichern einzig ein Lösen des Anhängers vom Zugfahrzeug, können aber Stabilitätsproblemen, die ein Fahrer mit seinem Gespann oft hat nicht trotzen. Die Anti-Schlingerkupplung hingegen dient als besondere Stabilisierungshilfe.
Sie ermöglicht, dass sich die kritische Geschwindigkeit im Gespann um ca. 10 bis sogar 30 km/h erhöht, das Risiko also bei gleichbleibender Geschwindigkeit durch die Anti-Schlingerkupplung erheblich verringert wird. Gelegenheitsfahrer begehen zudem oft Beladungsfehler, deren Auswirkung durch die Stabilitätshilfe der Kupplung minimiert werden können. Gerade in plötzlichen Gefahrensituationen, Seitenwind oder schlechten Straßenverhältnissen kann die Anti-Schlingerkupplung ihre Stärken zeigen.
Beim Pferdetransport kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Ein Pferd stellt eine dynamische Beladung dar und ist aufgrund des sehr hohen Gewichts und des unkalkulierbaren Verhaltens ein großer Unsicherheitsfaktor während des Fahrens mit dem Gespann. Besonders ältere Pferdeanhänger sind oft noch mit Standard-Kupplungen ausgestattet, die das Schleuderrisiko bei der Fahrt mit Pferden erhöhen. Die Caravan-Hersteller hingegen rüsten ihre Modelle bereits überwiegend damit aus - doch auch hier haben besonders ältere Anhänger Nachrüstbedarf.
Wie werden die Schlingerbewegungen technisch verringert?
Im Allgemeinen wird die Anti-Schlingerkupplung stärker an die Anhänge-Vorrichtung des Autos gepresst, als bei einer normalen Kugelkupplung. Hierfür sind die Anti-Schlingerkupplungen von innen mit Bremsbelägen ausgestattet. Das Gespann gewinnt dadurch insgesamt an Stabilität – nicht nur im Hinblick auf die Schlingerbewegungen, sondern auch auf die unkomfortablen Nickbewegungen.
Welche Anti-Schlingerkupplung ist besonders empfehlenswert?
Grundsätzlich ist der Einsatz von Anti-Schlingerkupplungen immer empfehlenswert, wie alle Testergebnisse zu diesem Thema belegen. ADAC und RW TÜV haben in ihren Tests jeweils die WS 3000 von Winterhoff zum Sieger der Anti-Schlingerkupplungen ernannt, die Zeitschrift „Caravaning“ sieht die AL-KO AKS 2000 und die WS 3000 gleichauf. Der „Erfinder“ der Kugelkupplung Westfalia bleibt mit seiner SSK-Serie durchgängig etwas hinter dem Führungsduo zurück und erreicht „nur“ gute bis durchschnittliche Ergebnisse.
Zu beachten ist ferner, ob die Anti-Schlingerkupplung tatsächlich passt: So umschließt die AL-KO AKS 2000 ca. 60 mm des Kupplungskopfes, während die Winterhoff WS 3000 mit 35 mm auskommt. Ist also z.B. die Steckdose am Zugfahrzeug nahe am Kupplungskopf montiert, könnte sie bei einer starken Nickbewegung des Anhängers durch die Anti-Schlingerkupplung beschädigt werden.
Wesentlich dürfte bei der Wahl der richtigen Anti-Schlingerkupplung aber die Betrachtung des Preis- / Leistungsverhältnisses sein: Hier liegt die WS 3000 vorn, ohne offenbar im Hinblick auf die Testergebnisse an der Qualität gespart zu haben.
Wie lange hält eine Anti-Schlingerkupplung?
AL-KO und Winterhoff geben an, dass ihre jeweilige Anti-Schlingerkupplung bis zu 50.000 km fahrbereit ist. Die Reibeelemente (bzw. „Bremsbeläge“) im Inneren der Kupplung sind nach unserer Erfahrung bereits nach ca. 30.000 – 40.000 km auszutauschen.
Im Hinblick auf die Reibeelemente sollte unbedingt beachtet werden, dass die Anti-Schlingerkupplung auf einem nicht gefetteten Kupplungskopf aufgesetzt wird. Das Fett beeinträchtigt die Stabilisierung des Gespanns massiv, weil die Bremsbeläge nicht greifen können! So verliert die Anti-Schlingerkupplung womöglich komplett ihre Leistungsfähigkeit. Sollte dies aus Versehen doch einmal passieren, sollten die Bremsbeläge der Anti-Schlingerkupplung ausgetauscht werden. Der gefettete Kupplungskopf sollte im Zweifel mit einem geeigneten Reiniger (Spiritus, Waschbenzin, usw.) vom Fett befreit werden. Neue Kupplungskugeln haben manchmal einen Schutzfilm, der die Wirkung der Anti-Schlingerkupplung beeinträchtigt oder Quietschgeräusche hervorruft – Mit feinem Schmirgelpapier (z.B. Körnung 200 bis 240) ist dieser leicht zu entfernen.


